| 1921 |
6.Mai: Erich Fried wird als einziges Kind des Spediteurs
Hugo Fried und der Grafikerin Nellie Fried (geb. Stein) in Wien geboren |
| 1926 |
"Wunderkinderzeit": Auftritte mit einer
Kinderschauspielgruppe auf verschiedenen Bühnen Wiens und Umgebung (bis
1927) |
| 1937 |
Der 16jährige Gymnasiast beschäftigt sich mit
"Erfindungen", wobei es ihm gelingt, ein Verfahren zur
Glühlampenherstellung patentreif zu machen |
| 1938 |
Gründung einer Widerstandsgruppe nach der Besetzung
Österreichs durch die Deutschen am 12. März
24.April: Verhaftung der Eltern wgn. "Vorbereitung zur
Devisenverschiebung ins Ausland"
24.Mai: Hugo Fried stirbt an den Folgen der Gestapo-Verhöre
4.August: Flucht über Belgien nach England |
| 1939 |
Anstellung beim "Jewish Refugee Committee"
Gründung der Selbsthilfegruppe "Emigrantenjugend" |
| 1940 |
Erste Gedichte in Exilzeitschriften |
| 1941 |
Oktober: Die österreichische Exil-Bühne "Laterndl"
führt Frieds Einakter Ring-Rund auf |
| 1943 |
Tod der Großmutter Malvine im KZ Auschwitz (externer
Link zum Gedicht "Großmutter")
Frieds Dichterfreund Hans Schmeier begeht Selbstmord im Londoner Exil
Austritt aus dem kommunistischen Jugendverband Österreichs |
| 1944 |
14.Januar: Erste Ehe mit Maria Marburg
31.Mai: Geburt des Sohnes Hans |
| 1945 |
Mitarbeit an
dem vom englischen Central Office of Information herausgegeben
Magazin "Neue Auslese" (bis 1949) und ab 1946 auch an
"Blick in die Welt" |
 |
| 1946 |
Arbeit am Roman Ein Soldat und ein Mädchen
Trennung von Maria Marburg (Scheidung 1952) |
| 1947 |
Initiative von
Fried für Zusammenschluß einiger jüdischer Exil-Schriftsteller |
| 1949 |
Redakteur der Zeitschrift "Blick in die Welt"
(bis 1950) |
| 1950 |
regelmäßige freie Mitarbeit beim "German
Service" der BBC |
| 1952 |
Festanstellung beim BBC als "Programme
Assistant"
17.Oktober: Zweite Ehe mit Nan Spence-Eichner |
|
| 1953 |
Reise nach Berlin (erster Besuch der europäischen
Festlandes nach 1938) |
| 1954 |
10.März: Deutschsprachige Erstsendung des
Hörspielfassung von Dylan Thomas' "Under Milk Wood" in der
Übersetzung von Fried beim BBC (am 20.September beim NWDR) |
| 1955 |
Mitarbeit an der Zeitschrift "Texte und Zeichen"
(bis 1957) |
| 1956 |
22.Dezember: Schiller-Theater Berlin: Premiere von
"Unter dem Milchwald" von Dylan Thomas in Frieds Übersetzung |
| 1958 |
4.August: Geburt des Sohnes David |
| 1960 |
der Roman Ein Soldat und ein Mädchen
erscheint |
| 1961 |
16.Mai: Geburt der Tochter Katherine |
| 1962 |
Nan Fried verläßt ihren Ehemann (Scheidung
1965)
April: Erste (offizielle) Wiederbegegnung mit Wien seit der
Flucht |
| 1963 |
9.Mai: erste Aufführung einer
Shakespeare-Übersetzung Frieds (Ein Sommernachtstraum in Bremen)
Oktober: Erste Lesung vor der "Gruppe 47" auf deren 25.
Tagung in Saulgau bei Ulm |
| 1964 |
September: Teilnahme an der 26. Tagung der
"Gruppe 47" in Sigtuna/Schweden |
| 1965 |
10.August: Heirat mit Catherine Boswell
28.Oktober: Geburt der Tochter Petra
November: Teilnahme an der 27. Tagung der "Gruppe 47"
in Berlin-Wannsee
13.November: Verleihung der Fördergabe des
"Schiller-Gedächtnispreises des Landes Baden-Württemberg im
Stuttgarter Neuen Schloß
Dezember: Mitunterzeichnung der "Erklärung über den Krieg in
Vietnam" (in "konkret") |
 |
| 1966 |
April: Teilnahme an der 28. Tagung der "Gruppe
47" in Princeton, USA. |
| 1967 |
Erscheinen des Gedichtsbands Anfechtungen
mit dem bald heftig umstrittenen Gedicht Höre, Israel gegen die
Politik Israels im Sechstagekrieg
5.März: Hamburgische Staatsoper: Uraufführung des von Alexander
Goehr vertonten Fried-Librettos Arden muß sterben. Nach der
Vorstellung großer Applaus (über 30 Vorhänge). Einige Zuschauer, die
sich politisch provoziert fühlen, reagieren mit scharfen Protestrufen.
April: Reise nach Polen, Besuch des KZs Auschwitz-Birkenau. Ins
Besucherbuch der Gedenkstätte notiert Fried am 17.4.: "Ich habe
gesehen, was ich gewußt habe - und noch mehr. Ich werde es nicht
vergessen und ich werde helfen, daß es nicht vergessen wird."
Oktober: Teilnahme an der 29. und letzten Tagung der "Gruppe
47" im Landgasthof "Pulvermühle" (Oberfranken) |
| 1968 |
Januar: Entschluss, die BBC-Tätigkeit
aufzugeben |
|
17./18.Februar: Teilnahme am "Vietnam-Kongreß"
in der TU Berlin und an der abschließenden Großdemonstration |
| 1968 |
11.April: Attentat auf Rudi Dutschke
Mai: Kundgebung gegen die Notstandsgesetze im Bonner Hofgarten.
Teilnehmer u.a.: Heinrich Böll, Erich Fried, Prof. Ridder, der
SDS-Vorsitzende K.D. Wolff
Dezember: Gretchen Dutschke wohnt vorübergehend in Frieds
Londoner Wohnung. Mit Frieds Unterstützung gelingt es, Rudi Dutschke
eine Einreisegenehmigung nach GB zu verschaffen |
| 1969 |
nach zahlreichen Umzügen seit seiner Ankunft
in London bezieht Erich Fried das Haus 22 Dartmouth Road, in dem er bis
zu seinem Tod wohnt
21.September: Geburt der Zwillinge Klaus und Tom |
| 1970 |
Teilnahme am Wiener Alternativfestival
"Arena 70" |
| 1971 |
Teilnahme am Festival "Poetry
International" in Rotterdam
Januar: Protest gegen die Ausweisung Rudi Dutschkes aus GB |
| 1973 |
22.März: Übergabe des
"Würdigungspreises für Literatur 1972" im Palais Palffy in
Wien
Oktober: Teilnahme am "Literatursymposion 1973" zum
Thema "Zweifel an der Sprache" in Graz. Erich Fried trägt den
Zyklus Zweifel an der Sprache vor. |
| 1974 |
Mitgliedschaft im P.E.N. Bundesrepublik
Deutschland
24.Januar: Prozess in Hamburg wegen angeblicher Beleidigung der
Berliner Polizei in einem Leserbrief an den "Spiegel" -
Freispruch.
Februar: Sachverständiger im Berliner Beleidigungsprozeß gegen
Klaus Wagenbach. Freispruch, aber Verurteilung in zweiter
Instanz. |
| 1976 |
Mai: Teilnahme an den Frankfurter
"Römerberggesprächen" zum Thema "Literatur - Opium ohne
Volk". Fried hält die Rede Literatur und Politik.
15.Mai: Beisetzung von Ulrike Meinhof in Berlin. Verlesung eines
Telegramms von Fried, der, obwohl kein Anhänger der "RAF",
Ulrike Meinhof als "größte deutsche Frau seit Rosa
Luxemburg" bezeichnet. |
| 1977 |
Januar: Lehrauftrag an der Universität
Gießen
16.Februar: NDR-Rundfunkrezension des "Weißbuch zur Rettung
der Sprache" (München 1976)
28.März: Öffentlicher Protest gegen die behördliche Verfolgung
des Hamburger Rechtanwalts und Verteidigers im Stammheim-Prozeß Kurt
Groenewold. An der Hamburger Universität hält Fried die Rede Der
Fall Kurt Groenewold und die BRD.
13.Mai: "Die Zeit" und die "FAZ" greifen
Frieds Gedicht Auf den Tod des Generalbundesanwaltes Siegfried Buback
an, der am 7. April ermordet wurde.
Juni: Rede zum 10. Jahrestag der Ermordung Benno Ohnesorgs auf
einer Demonstration in Berlin
14.Juli: Im Kieler Landtag kritisiert MP Stoltenberg scharf die
linkstendenziöse Haltung des NDRs und nennt als Beispiel die "Weißbuch"-Rezension
Frieds, "dessen skandalöses Gedicht nach der Ermordung Bubacks in
der demokratischen Öffentlichkeit nur Verachtung gefunden hat".
Oktober: Die CDU legt eine "Dokumentation" über Zitate
zum Terrorismus vor, deren Kapitel "Agitation gegen den
freiheitlichen Rechtsstaat" auch Zitate von Fried enthält.
12.Oktober: Verleihung des "Internationalen Verlegerpreises
der Sieben" auf der Frankfurter Buchmesse.
3.November: Missbilligungsantrag der CDU in der Bremer
Bürgerschaft gegen Fried-Gedichte im Schulunterricht. Der Vorsitzende
der CDU-Fraktion Bernd Neumann erklärte: "...so etwas würde ich
lieber verbrannt sehen..."!
28.November: Schreiben des bayrischen Staatsministeriums für
Unterricht und Kultur an einen Dortmunder Schulbuchverlag. Für die
erneute Zulassung eines Deutsch-Lesebuchs in Bayern wird die Herausnahme
bzw. Ersetzung von Texten Erich Frieds, Günter Wallraffs, Wolf
Biermanns und Hubert Fichtes gefordert. |
 |
1978 |
Januar: Teilnahme am "Vierten
Literaturgespräch" in Bremen zum Thema "Gewalt als
Provokation der Literatur"
29.Dezember: Festveranstaltung zum 70. Geburtstag von Helmut
Gollwitzer in der FU Berlin. Fried hält die Rede Wie sah der
antifaschistische Kampf aus und wie sollte er heute aussehen. |
| Ein
"Katzengedicht" |
|
| 1979 |
es erscheinen die Liebesgedichte
12.Januar: Münsteraner Diskussionsveranstaltung, Frieds Rede
Über die Relevanz von Schriftstellern.
Juni: Teilnahme am "Primo festival internazionale dei poeti"
(Rom/Castelporziano) |
| 1980 |
Januar: Teilnahme an der Beerdigung
Rudi Dutschkes in Berlin
April: Teilnahme am 3. Österreich-Gespräch über Literatur
"Vom Schreiben und vom Lesen" in Wien. Vortrag: Zur
Österreichischen Literatur seit 1945.
Mai: Teilnahme an den 7. Römerberggesprächen" in
Frankfurt/M.
September: Verleihung des "Preises der Stadt Wien für
Literatur" |
| 1981 |
6.März: Teilnahme am "Ersten
Österreichischen Schriftstellerkongreß". Vortrag: Die Freiheit
zu sehen, wo man bleibt.
Dezember: Teilnahme an der Ost-Berliner "Begegnung zur
Friedenförderung" |
| 1982 |
Wiedererlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft, Fried behält zugleich die britische
Staatsbürgerschaft, die er seit Oktober 1949 hat
März: Erste Krebsoperation in London, einige Monate
Krankenhausaufenthalt
6.Juni: Tod der Mutter Nellie Fried
25.September: Rede auf der Abschlusskundgebung der
Demonstration "Israelis raus aus dem Libanon" in Bonn
Dezember: Teilnahme am 7. Internationalen Autorenseminar der
Alten Schmiede in Wien "Über Erich Fried" |
| 1983 |
26.Januar: Verleihung des "Bremer
Literaturpreises". Rede: Ich soll mich nicht gewöhnen.
Mai: Teilnahme am Symposium "Literatur und Macht" an
der Wiener Uni. Vortrag: Was soll und kann Literatur verändern?
Teilnahme an den Frankfurter "Römerberggesprächen". Rede: Warum
und zu welchem Zweck betreiben wir Kulturzerstörung? |
| 1984 |
März: Diskussion mit
Offiziersanwärtern des österreichischen Bundesheeres
Oktober: Lesereise durch Österreich
26.Oktober: Rede zum Österreichischen Nationalfeiertag im Wiener
Volkstheater, Einige Worte zu Österreichs kultureller Eigenart |
| 1985 |
April: Dozentur an der "Deutschen
Sommeruniversität" (Toscana)
23.April: gemeinsamer Vortrag mit Erwin Ringel zum Thema:
"Der Beitrag der Tiefenpsychologie und der Dichtung zum
Frieden" in Wien
Juli: zweite Krebsoperation in London, Krankenhausaufenthalt bis
September
Oktober: Fried erhält das "Goldene Ehrenzeichen für
Verdienste um das Land Wien"
18.November: Teilnahme am Wiener Symposium "Literatur und
Öffentlichkeit". Rede: Veröffentlichungen und
Verheimlichungen.
Dezember: Öffentlicher Streit um die Vergabe des "Großen
Österreichischen Staatspreises" |
| 1986 |
April: Lesereise durch die DDR
29.April: der neu eingerichtete "Österreichische
Staatspreis für Verdienste um die österreichische Kultur im
Ausland" wird an Fried übergeben. Zahlreiche Reden bekannter
Literaten.
Mai: Ausstellungseröffnung "Die Vertreibung des Geistigen
aus Österreich" in Salzburg, Fried hält eine ebenso betitelte
Rede
27.Juni: Erneute Teilnahme am Festival "Poetry
International" in Rotterdam.
Oktober: korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache
und Dichtung (Darmstadt)
30.November: Lesung Wider die offizielle Lesart im
deutschen Theater (Berlin/DDR)
14.Sezember: Verleihung der "Carl-von-Ossietzky"-Medaille
in Berlin |
Ein Gedicht über das Altwerden:
Zu guter Letzt
|
1987 |
Verleihung des "Goldenen Schlüssels der
Stadt Smederevo" (Jugoslawien)
März: Lesereise durch die DDR
13.September: Eröffnungsrede beim Internationalen Brucknerfest
in Linz
17.Oktober: Festakt im Darmstädter Staatstheater anlässlich der
Verleihung des "Georg-Büchner-Preises". Laudatio: Herbert
Heckmann. Frieds Dankesrede wird mit großem Beifall wie auch mit
Pfiffen und Buh-Rufen bedacht. Anschließend kommt es zum Eklat, als OB
Metzger u.a. von "doppelter Moral" spricht und sinngemäß
erklärt, Fried hätte aufgrund seiner überzogenen Kritik an der BRD
den staatlich geförderten Preis nicht annehmen dürfen, woraufhin der
preisträger und ein Großteil der Gäste den Saal verlassen, nach
Intervention Heckmanns aber zurückkehren.
19.Dezember: Als Vorjahrespreisträger hält Fried die Laudatio
auf die Mutlanger Richter, denen die "Carl-von-Ossietzky"-Medaille
in Berlin verliehen wird. |
|
| 1988 |
Januar: Verleihung der
Ehrendoktorwürde der Universität Osnabrück (Fachbereich Sprach- und
Literaturwissenschaft)
26.Januar: Festvortrag Übersetzen oder Nachdichten? anlässlich
der Eröffnung des Studiengangs Literaturübersetzen an der Uni
Düsseldorf
August: NRW-Kultusminister Schwier (SPD) verteidigt Frieds
Gedicht Wo liegt Nicaragua, das die NRW-CDU an den NRW-Schulen
verbieten will.
16.Oktober: Lesung im überfüllten Deutschen Theater in
Berlin/DDR. Anschließend Premiere eines Filmportraits Erich Frieds von
Roland Steiner (DEFA)
3.November: Aufnahmen bei "1plus", dem Kulturprogramm
der ARD, für die Sendung "Pluspunkte" zum Thema
"Reichskristallnacht 1938". Aus den Dreharbeiten heraus wird
Fried in ein Krankenhaus in Baden-Baden eingeliefert.
4. November: Krebsoperation in Baden-Baden. Anschließend mehrere
Tage im Koma.
22.November: Erich Fried stirbt.
9.Dezember: Trauerfeier und Beisetzung Erich Frieds auf dem
Londoner Friedhof "Kensal Green" |